25.06.2026
JuJutsu Technik, Konzentration und Teamgeist
Warum Ju-Jutsu für Jan Castendyck mehr als nur Kampfsport ist
Seit über zehn Jahren ist Ju-Jutsu ein wichtiger Teil von Jans Alltag. Der 25-Jährige trainiert seit 2011 in der Ju-Jutsu-Abteilung des TSV Vaterstetten und engagiert sich seit 2019 zusätzlich als Kinder- und Jugendtrainer für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren.
Neben Ju-Jutsu gehören auch Volleyball, Schwimmen, Tennis und im Winter Skifahren zu seinem sportlichen Alltag. Besonders begeistert ihn am Ju-Jutsu die Kombination aus körperlicher und mentaler Herausforderung, die große Vielfalt an Techniken und die starke Gemeinschaft innerhalb der Abteilung.
In seinen Antworten wird schnell klar: Für Jan ist Ju-Jutsu weit mehr als nur Kampfsport.
Amanda: Wie bist du zum Ju-Jutsu gekommen – und was begeistert dich daran?
Jan: Mein Vater hat in seiner Jugend mehrere Jahre Ju-Jutsu trainiert und dann auch mein großer Bruder, daher ging kein Weg dran vorbei. Mittlerweile ist das 15 Jahre her und der Sport macht mir immer noch so viel Spaß wie früher, wenn nicht sogar mehr.
Amanda: Was genau ist Ju-Jutsu - und was macht den Sport besonders?
Jan: Ju-Jutsu ist eine moderne Selbstverteidigungssportart, die sich eigentlich aus vielen anderen Kampfkünsten zusammensetzt. Viele Techniken sind aus Judo, Aikido und Karate übernommen, aber auch philippinische Verteidigung gegen Waffen ist ein Teil des Portfolios. Dabei liegt der Fokus aber immer auf der Selbstverteidigung und die effektivsten Techniken aus den anderen Künsten werden ins Ju-Jutsu übernommen.
Das macht für mich den Sport so besonders, weil man so eine große Menge an verschiedenen Techniken und Technikbereichen zur Verfügung hat. Technikbereiche sind u.A. Würfe, Schläge, Tritte, Hebeltechniken, Bodenkampf, Nerventechniken, Verteidigung gegen Waffen oder auch einfach nur Bewegungsformen. Das sorgt dafür, dass man immer wieder etwas Neues zu entdecken hat, eine neue Technik, eine neue Kombination, eine neue Variante. Die meisten Techniken lassen sich kombinieren, sodass Abfolgen von 10 Techniken nicht nur öfter vorkommen, sondern sogar in höheren Gürtelprüfungen gefordert werden.
Amanda: Was macht eure Abteilung besonders?
Jan: Wir sind eine großartige Gemeinschaft. Jeder kennt jeden, Stammtische gibt es fast wöchentlich und auch „außersportliche“ Aktivitäten wie Christkindlmarktbesuche oder Treffen auf dem Vaterstettener Mittelaltermarkt kommen nicht zu kurz. Dass man sich privat auch so gut kennt, gibt einem im Training nur umso mehr das Gefühl, unter Freunden zu sein.
Außerdem dürfen wir uns glücklich schätzen, einen der besten Ju-Jutsu Trainer Bayerns als unseren Abteilungsleiter zu haben. Martl ist mit seinem 5. Dan und seiner Funktion als bayrischer Lehrteamreferent eine wahre Bereicherung für uns.
Amanda: Wie sieht ein typischer Trainingstag bei euch aus?
Jan: Den einen typischen Trainingstag gibt es bei uns nicht. Nicht nur, dass immer wieder andere Technikbereiche drankommen, jeder Trainer hat andere Lieblingstechniken und Stärken, die er vorzeigt. Dadurch gibt es keine zwei Trainings, die gleich sind.
Amanda: Was macht dir persönlich am meisten Spaß an deinem Sport?
Jan: Ich liebe das Zusammenspiel aus physischer und psychischer Herausforderung. Nicht nur der Körper hat durch die ganze Bewegung viel zu leisten, sondern auch der Kopf hat ganz schön was zu tun. Man muss schnell reagieren können und passende Techniken teils in Sekundenbruchteilen finden, während man dabei auf seine eigenen Körperbewegungen und auch auf die seines Partners achten muss.
Amanda: Welche Fähigkeiten braucht man für den Sport?
Jan: Besondere Fähigkeiten braucht man nicht. Durch die Vielzahl an Techniken kann sich jeder Ju-Jutsuka sein eigenes Repertoire aufbauen, das zu ihm passt. Egal, ob man groß oder klein, schlank oder kräftig, Frau oder Mann ist, jeder kann mitmachen und sich die Techniken raussuchen, die für einen funktionieren.
Eine Sache gibt es aber, die man nicht haben sollte: Kontaktscheue. Ju-Jutsu ist ein (Voll-)Kontaktsport, bei dem wir die meiste Zeit mit und am Partner trainieren. Da darf man keine Scheu haben, den anderen auch mal zu berühren oder sich berühren zu lassen.
Amanda: Welche Technik sollte jede/r / Anfänger/in lernen?
Jan: Das Wichtigste und Allererste, das Anfänger bei uns lernen, ist es, richtig zu fallen. Die meisten Techniken lassen den Partner am Boden landen, sodass es unabdinglich ist, die richtige Falltechnik zu beherrschen, um sich nicht zu verletzen.
Amanda: Gibt es Turniere oder Events, auf die ihr euch besonders freut?
Jan: Ja, auf jeden Fall. Zurzeit fiebern alle im Verein hin auf die nächste Gürtelprüfung, die Ende Juni stattfindet. Die Prüfungsteilnehmer schleifen ihre Techniken über die nächsten Wochen ein, bis sie sie im Schlaf können, während die übrigen ihnen Tipps und den letzten Feinschliff mitgeben. Selbstverständlich schauen auch viele aus unserem Verein bei der Gürtelprüfung zu und freuen sich am Ende genauso über die verdient errungenen neuen Gürtelfarben.
Amanda: Wie können neue Interessentinnen/Interessenten bei euch einsteigen?
Jan: Interessentinnen und Interessenten können jederzeit bei uns für ein Probetraining vorbeikommen und mal reinschnuppern. Vorkenntnisse benötigt es keine, nur normale Sportkleidung und Schlappen (für den Weg zur Matte, auf der Matte trainieren wir barfuß) müssen mitgenommen werden.
Amanda: Was hilft dir aus dem Training im Alltag?
Jan: Definitiv die Fähigkeit, unter Druck- oder Stresssituationen einen klaren Kopf zu bewahren und ruhig zu bleiben. Vor allem eine Gürtelprüfung, bei der man gut und gerne bis zu 6 Stunden in der Halle verbringt, ist eine wahre Zerreißprobe. Man steht die ganze Zeit unter physischer und psychischer Belastung, will und muss aber währenddessen seine Techniken in bester Ausführung zeigen. Da lernt man wirklich fürs Leben.
Fazit
Für Jan ist Ju-Jutsu weit mehr als nur Selbstverteidigung oder Kampfsport. Besonders die Kombination aus Technik, Konzentration, körperlicher Herausforderung und Gemeinschaft macht den Sport für ihn einzigartig.
Oder wie er selbst sagt:
„Da lernt man wirklich fürs Leben.“