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Vom Ranze klopfe bis zum Diskojunkie -– für jeden was dabei

Bundeslehrgang in Germering

30.06.2013 |


Ende Juni, bei brennender Hitze – naja, es war einer dieser Sommertage, bei denen die Sonne auf sich warten hat lassen und dem Regen Platz gemacht hat – machten wir uns auf nach Germering um beim Bundeslehrgang teilzunehmen. Auf dem Plan standen „neue Ideen für das SV Training“ mit Joe Thumfart (7. Dan JJ).

In Germering angekommen und umgezogen auf der Matte stehend, sorgte Joe für die erste Überraschung: Er war gar nicht anwesend! Ein Blick in die Runde brachte die Erkenntnis: Nein, wir hatten uns nicht im geplanten Referenten getäuscht. Die restlichen Anwesenden waren ebenfalls verwundert. Naja, was uns der DJJV (Deutsche Ju-Jutsu Verband, es war ja immerhin ein Bundeslehrgang) vorsetzt hat natürlich ebenfalls Rang und Namen, und somit freuten wir uns auf den Lehrgang mit Günther Beier (6 Dan JJ). Für manch einen von uns ein Ohrenschmaus, kam er doch direkt mit einem freudig frischen badischen Dialekt daher :) Nun zum Wesentlichen – worum ging es denn jetzt bei dem „neuen“ Lehrgang? Ich denke am besten lässt sich das umschreiben mit den Worten: „Agieren in Stresssituationen“ und „Was ist der Körper in der Lage auszuhalten?“ Natürlich alles unter dem Hauptpunkt: Realistische Selbstverteidigung (SV) Das Aufwärmen wurde bewusst bei Seite gelassen, da „Günni“ uns durch die einzelnen Aufgaben aufwärmen wollte. Was ihm auch gut gelungen ist. Spätestens beim badisch-bekannten „Ranze klopfe“ wurde uns schnell warm. Woraus bestand die Aufgabe? Partnerweise zusammen finden, der eine in einer rein passiven Abwehrhaltung – fast schon eingeigelt – und der andere Partner kloppt einfach auf den Körper (Ranze) ein. Was ist der Sinn bei dieser, vereinfacht gesagt, martialischen Aufgabe? Ein Gefühl dafür zu bekommen was dem Körper tatsächlich weh tut. Weil dabei auch brav gewechselt wird, hat somit jeder Teilnehmer das Erlebnis gleich aus beiden Blickwinkeln. Denn das Problem der meisten in einer realistischen SV Situation ist diese, dass man oft zu viel Bedenken (Angst) hat sich zu verteidigen, um sich nicht weh zu tun. Mit dieser „Erfahrung“ sollte man ein Gefühl dafür bekommen, was der Körper wirklich vermag weg zu stecken. Wie so oft, wurden die einzelnen Einheiten zunächst sehr theoretisch erklärt. Hierzu zählen aber, um das Zuhören zu erleichtern, auch zahlreiche Anekdoten des Referenten. :)

Anschließend wurden die Techniken praktisch, also am lebenden Objekt vorgemacht. Häufig durfte Andi Hötzinger – 5. Dan JJ und Lehrreferent des bayrischen Verbandes - dafür herhalten, worüber alle Anwesenden froh waren. Um eine Stresssituation zu simulieren haben wir uns dann schließlich zu fünft zusammengefunden. Einer musste sich mit angewinkelten Beinen – wie auf einem Stuhl sitzend – an die Wand lehnen und drei haben ihn beschäftigt. Womit? Kitzeln, wuscheln, grabbeln … eben alles was ablenkt. Und nach ca. 2 Minuten wird Platz gemacht für den fünften im Bunde. Der vollführt einen Fußstoß vorwärts aus der von dem armen „Wandlehner“ abgewehrt werden muss. Es ist interessant zu sehen wie agil man noch ist, nachdem man zwei Minuten lang an der Wand mit angewinkelten Beinen gesessen hat und von drei Personen genervt – sagen wir lieber motiviert - worden ist. Neben manch anderen Übungen zur Erfahrungsschatzerweiterung wurde der Bundeslehrgang noch mit einem Messerthema abgerundet. „Günni“ hatte die besorgniserregende Story im Gepäck, bei der in mehreren Diskotheken Streit unter Verwendung eines Messers von Personen angefangen wurden, die nicht reingekommen sind. Aufgrund des geringen Abstandes zu den Türstehern und des Überraschungseffektes sind diese Vorfälle immer zum Nachteil der Türsteher gewesen. Um uns nochmals einzubläuen wie gefährlich Messer sind haben wir diese Situation zum Abschluss mit Gummimessern nachgestellt und hätten & wären vermutlich allesamt weniger gut abgeschnitten. :) Ein Glück sind wir keine Türsteher.

Alles in Allem war es ein sehr lehrreicher und Interessanter Bundeslehrgang, auch wenn der angekündigte Trainer Joe nicht anwesend sein konnte. In der kurzen Pause habe ich mich auf den Weg gemacht um mit meinem „Leidensgenossen“ – Badener in Bayern – ein kurzes Pläuschen zu halten. Hierbei habe ich noch erfahren, dass Joe kurzfristig nach Asien musste um die Interessen des DJJVs zu vertreten. Das Fazit steht fest: Ein Bundeslehrgang macht Spaß und ist immer eine Reise wert :)